Pressemeldung – Depressionen sollten zunächst vom niedergelassenen Psychiater behandelt werden

(27. Juli 2011, Andernach) Menschen, die unter Depressionen oder anderen stimmungsbeeinflussenden Störungen leiden, sollten zunächst einen niedergelassenen Psychiater oder Nervenarzt aufsuchen. Darauf weist der Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) angesichts des jüngsten Reports der größten Krankenkasse Barmer GEK hin, in dem von einer stark steigenden Zahl von Klinikeinweisungen wegen Depressionen und anderer psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren berichtet wird. „Der niedergelassene Facharzt kann dann entscheiden, ob eine ambulante Behandlung oder die Einweisung in eine Klinik notwendig ist“, erläutert die BVDP-Vorsitzende Dr. Christa Roth-Sackenheim. „Der Patient sollte nur in wirklich schweren Fällen, beispielsweise bei Gefahr eines Suizids, direkt in eine Klinikambulanz gehen, die ihn gegebenenfalls dann stationär aufnimmt.“

Häufig zu lange Wartezeiten bei ambulanter Behandlung
Ein großes Dilemma bei der Versorgung psychisch kranker Menschen in Deutschland sind allerdings die häufig viele zu langen Wartezeiten auf einen Termin bei einem niedergelassenen Psychiater oder Nervenarzt. „Wenn sich die Menschen krank fühlen, benötigen sie so schnell wie möglich ärztliche Hilfe. Hier gibt es aber häufig viel zu lange Wartezeiten, weil die Zahl der niedergelassenen Psychiater und Nervenärzte seit Jahren abnimmt“, kritisiert die niedergelassene Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie aus Andernach. „Eine stark zunehmende Zahl an Patienten bei gleichzeitig weniger niedergelassenen Fachärzten führt zu Versorgungsengpässen, sodass viele Patienten gleich den Gang in die Klinik wählen. Aus Sicht der Betroffenen ist das durchaus verständlich.“ Allerdings muss der Patient bei einer stationären Behandlung auf sein soziales Umfeld verzichten, was für den Behandlungserfolg nicht unbedingt förderlich ist. Bei Depressionen beispielsweise ist die stationäre Aufnahme in Notfällen sinnvoll und notwendig. „Das Leben mit Depressionen zu bewältigen muss aber vor Ort und in der Familie stattfinden“, erklärt Roth-Sackenheim. Zudem sind die Kosten für die Behandlung in einer Klinik um ein Vielfaches höher als die Versorgung in der Arztpraxis.

Rahmenbedingungen verbessern
Um der aktuellen Fehlentwicklung entgegenzuwirken, muss der ambulante Bereich bei der Versorgung psychisch kranker Menschen gestärkt werden. „Die Rahmenbedingungen für niedergelassene Psychiater und Nervenärzte müssen verbessert werden“, fordert Roth-Sackenheim. „Darauf weisen wir bereits seit Jahren hin, leider bislang ohne den nötigen Erfolg.“ In der Psychiatrie ist die ambulante Versorgung mit viel zu wenig Mitteln ausgestattet, ausserdem müssen mehr Fachärzte für Psychiatrie ins System kommen, um dem Versorgungsdruck gerecht zu werden. Da auch in den nächsten Jahren mit einer Zunahme bei psychischen Erkrankungen zu rechnen ist, wird sich die derzeitige Situation weiter verschärfen. „Es wird höchste Zeit, auf diesen langfristigen Trend zu reagieren“, mahnt Roth-Sackenheim.

Eine Depression ist eine schwere körperliche Erkrankung
Depressionen sind schwere, oft lebenslang chronisch und/oder tödlich verlaufende Erkrankungen. 15% aller depressiven Menschen begehen Suizid, darunter dreimal mehr Männer als Frauen. Depressionen sind der häufigste Grund für Frühberentungen und die am stärksten steigende Ursache für Krankschreibungszeiten von jungen Arbeitnehmern. Psychotherapie alleine hilft oft nicht dauerhaft, oft ist eine Kombination von Antidepressiva und störungsspezifischer Psychotherapie erforderlich.

Pressemeldung des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP)

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