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Pressemitteilung - Förderung der Weiterbildung in Neurologie und Psychiatrie dringend notwendig

(5. Juli 2016) Die ambulante Weiterbildung in den neuropsychiatrischen Fächern braucht Unterstützung. Darauf weist der Spitzenverband ZNS hin. „Wir benötigen dringend Nachwuchs in Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sonst werden die Wartezeiten für die Patienten auf Dauer noch viel länger werden als heute schon“, sagte der Vorsitzende des Spitzenverbandes ZNS (SPiZ), Dr. Frank Bergmann. Er fordert daher, die ZNS-Fächer unbedingt in die neue Förderung der fachärztlichen Weiterbildung aufzunehmen.

Bergmann nannte fünf Gründe, die es erforderlich machen, die Weiterbildung in den ZNS-Fächern zu unterstützen:

1. Aufgrund des zunehmenden Durchschnittsalters der Bevölkerung in Deutschland erkranken immer mehr Menschen an neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. „Die Demenz ist nur das bekannteste Beispiel dafür, welche Patienten in Zukunft vermehrt fachärztliche neurologische und psychiatrische Versorgung benötigen werden. Zunehmen werden auch andere altersbedingte Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen, Folgen von Suchterkrankungen – vor allem von Alkoholmissbrauch –und altersbedingte neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall und Parkinson“, sagte der Vorsitzende des SPiZ.
2. Der Abklärungs- und Behandlungsbedarf bei Kindern und Jugendlichen ist unverändert hoch, wie die Erhebungen des Robert-Koch Instituts eindrücklich belegen (KIGGS-Erhebung(1)). Zusätzlich kommen durch die Migrationsströme viele junge Menschen nach Deutschland. In dieser Gruppe ist mit steigenden Behandlungsbedarfen zu rechnen. Deutschlandweit sind längst nicht alle gemäß Bedarfsplanung erforderlichen kinder- und jugendpsychiatrischen Arztsitze besetzt. In vielen Regionen braucht es noch einen Ausbau der ambulanten Versorgung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.
3. Die Behandlung von Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems macht im Augenblick große Fortschritte. „Ein Beispiel sind die neuen Therapien der Multiplen Sklerose. Aber auch in anderen Bereichen macht die Forschung große Fortschritte, zum Beispiel in der Behandlung von Bewegungsstörungen“, sagte Bergmann. Viele dieser Therapien sind betreuungsintensiv. „Es braucht viel Zeit und Zuwendung – und damit Ärztinnen und Ärzte – damit die Patienten vom medizinischen Fortschritt bei den ZNS-Erkrankungen wirklich profitieren können“, betonte Bergmann.
4. Nachwuchs ist außerdem dringend nötig, weil durch die Altersstruktur der Nervenärzte bundesweit Praxen nachbesetzt werden müssen. Bergmann verwies stellvertretend für andere Regionen auf den Fachärztereport der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen (2), der ein steigendes Durchschnittsalter von Nervenärzten festgestellt hat und einen vermehrten Nachbesetzungsbedarf in den nächsten Jahren prognostiziert – insbesondere auf dem Land. Danach entfallen 36,92 Prozent der Nervenärzte auf die Altersgruppe 50-59 Jahre und 36,67 Prozent auf die Gruppe der 60-Jährigen oder Älteren. „Wir werden Patienten mit altersbedingten neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen künftig nur dann gut versorgen können, wenn es bald mehr Fachärzte für die ZNS-Fächer gibt“, ist Bergmann überzeugt.
5. Ein spezifisches Problem der ZNS-Fächer verschärft den Ärztemangel: Scheiden Nervenärzte, die neurologische und psychiatrische Patienten versorgt haben, aus Altersgründen aus der Versorgung aus, werden ihre Praxen in der Regel alternativ von einem Psychiater oder Neurologen übernommen. Die Versorgung im jeweils anderen Fachbereich wird dadurch schwieriger.

Ab Herbst dieses Jahres werden für Facharztgruppen in der ambulanten Medizin deutschlandweit 1.000 Stellen gefördert. Die Weiterbildungsassistenten können dann mit einem monatlichen Gehaltszuschuss von 4.800 Euro rechnen. Damit erhalten Weiterbildungsassistenten, deren Stelle gefördert wird, ein Gehalt, das mit dem von Ärzten auf derselben Stufe der Weiterbildung in der Klinik vergleichbar ist.
Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und die Landesverbände der Kassen müssen bis Anfang Oktober verhandeln, wo es für welche Facharztgruppen einen Förderbedarf gibt.
„Diese 1.000 Stellen sind ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte Bergmann. Jetzt gehe es darum, unbedingt auch die ZNS-Fächer wegen des enormen Bedarfs in diese Förderung aufzunehmen und mittelfristig die Zahl der geförderten Stellen zu erhöhen.

Literatur
(1) http://www.kiggs-studie.de/deutsch/ergebnisse/kiggs-welle-1/basispublikation.html
(2) http://www.kvhessen.de/fuer-unsere-mitglieder/publikationen/fachaerztereporte-2015/?tx_kvhdownloads_downloadbasket%5BfileUid%5D=2458&tx_kvhdownloads_downloadbasket%5Baction%5D=save&tx_kvhdownloads_downloadbasket%5Bcontroller%5D=DownloadBasket&cHash=f7066a35e93c4c969ae0cb74d2eeb769

 

www.bvdn.de; www.bv-psychiater.de; www.bv-neurologe.de; www.kinderpsychiater.org; www.bpm-ev.de

Pressekontakt Jochen Lamp: 0172 4576407

 

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