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Pressemeldung - Demenzpatienten brauchen mehr Neurologen und Psychiater

(18. September 2015) Eine bessere Versorgung von Patienten mit Demenz fordert der Spitzenverband ZNS (SPiZ) im Vorfeld des Welt-Alzheimertages 2015. „Unterversorgung und Fehlversorgung sind für Demenzpatienten traurige Realität“, kritisierte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Neurologen (BDN), Dr. Uwe Meier, heute in Düsseldorf.
Meier benannte zwei wesentliche Probleme für die Versorgung: Zum einen sei die Bedarfsplanung für die Neurologie fehlerhaft und dadurch unrealistisch, „und zweitens haben wir das Problem einer Überalterung von Neurologen, Psychiatern und Nervenärzten in Deutschland, was zu einem erhöhten Wiederbesetzungsbedarf in den nächsten Jahren führen wird“, so Meier.

Bei Demenzverdacht benötigen die Betroffenen für die Diagnose und für die Behandlung einen Facharzt für Neurologie, Nervenheilkunde oder Psychiatrie und Psychotherapie. Im Rahmen der Abklärung können sie behandelbare Ursachen ausschließen und eine stadiengerechte Therapie der Demenz einleiten.
„Auch in der Behandlung von demenzassoziierten Verhaltensstörungen, zu der es im Verlauf der Erkrankung kommen kann, sind Fachärzte für ZNS-Erkrankungen unverzichtbar“, so Meier. Optimal sei eine enge Zusammenarbeit von Neurologen, Psychiatern oder Nervenärzten mit Hausärzten und Pflegediensten, auch im Bereich der Heimversorgung. Eine koordinierte haus- und fachärztliche Heimversorgung reduziere beispielsweise stationäre Aufenthalte.
Meier wies daraufhin, dass laut einer Studie des IGES-Instituts Berlin aber nur rund die Hälfte der Patienten mit einer Demenz von einem Facharzt diagnostiziert oder betreut wird (1).

Die ambulante medizinische Versorgung von Patienten mit Demenzerkrankungen durch Haus- und Fachärzte wird in den nächsten Jahrzehnten immer wichtiger. In Deutschland leiden mehr als 1,4 Millionen Menschen an einer Demenz (2). Schätzungen zufolge soll die Zahl der Patienten mit Demenz bis zum Jahr 2050 auf etwa drei Millionen steigen. Zunehmen werden laut Meier aber auch andere altersbedingte Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen, Folgen von Suchterkrankungen –vor allem von Alkoholmissbrauch –und altersbedingte neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall und Parkinson.
„Wir werden Patienten mit Demenz und anderen altersbedingten neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen künftig nur dann gut versorgen können, wenn alle an der Versorgung Beteiligten in der Region eng und effektiv zusammenarbeiten und wenn es mehr Fachärzte für die ZNS-Fächer gibt“, ist Meier überzeugt.

Den sogenannten Ärzteatlas 2015 des Wissenschaftlichen Institutes der AOK (WIdO) (3) kritisierte in diesem Zusammenhang der Vorsitzende des SPiZ, Dr. Frank Bergmann. „Aus reinen Verhältniszahlen zur Bedarfsplanung von 1992 rechnet der Ärzteatlas eine Überversorgung für fast alle Planungsgebiete vor“, so Bergmann. Dabei berücksichtige er weder die demografische Entwicklung der Bevölkerung noch die Entwicklung der Morbidität oder die zunehmende Ambulantisierung der Medizin.
Der Vorsitzende des SPiZ weist daraufhin, dass das WIdO selbst Zahlen zur Altersstruktur der Vertragsärzte in den ZNS-Fächern vorgelegt habe, diese aber im Arztatlas 2015 geflissentlich ausblende: Laut WIdO sind 27,4 Prozent der Nervenärzte 60 Jahre oder älter. In einigen Ländern wie Berlin, Baden-Württemberg, Hamburg, Bremen und Hessen liegt der Anteil der über 60jährigen Nervenärzte sogar über 30 Prozent. Erstaunlich hoch ist in einigen Ländern auch der Anteil praktizierender Nervenärzte über 65 Jahren, sie liegt bei 10,5 Prozent (Baden-Würtemberg), 12,6 Prozent (Berlin), 13,6 Prozent (Hamburg) oder 11,4 Prozent (Sachsen).
Auch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hat im Fachärztereport 2015 für Hessen (4) ein steigendes Durchschnittsalter von Nervenärzten festgestellt und prognostiziert einen vermehrten Wiederbesetzungsbedarf in den nächsten Jahren – insbesondere auf dem Land. In Hessen entfallen demnach 36,92 Prozent der Nervenärzte auf die Altersgruppe 50-59 Jahre und 36,67 Prozent auf die Gruppe der 60 Jahre oder Älteren.
„Mir macht Sorge, dass sich die Versorgung nicht rasch genug auf diese Anforderungen einstellen kann“, so Bergmann. „Eine bessere Vernetzung der Angebote in einer Region könnte es den Fachärzten erleichtern, ihre eigentlichen Aufgaben optimal wahrzunehmen – nämlich die Differentialdiagnose, die Therapieplanung und die Koordination verschiedener Therapieangebote“, so der Vorsitzende des Spitzenverbandes.

(1)    http://iges.com/kunden/gesundheit/forschungsergebnisse/2015/demenz/index_ger.html#ZMS_HIGHLIGHT=raw&raw=Demenz
(2)    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 23.1.2013, http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Aeltere-Menschen/demenz.html
(3)    http://www.wido.de/fileadmin/wido/downloads/pdf_ambulaten_versorg/wido_amb_pub-aerzteatlas2015_0615.pdf
(4)    http://www.kvhessen.de/fileadmin/media/documents/Facharztereport-Nervenarzte.pdf

www.bvdn.de
www.bv-psychiater.de
www.bv-neurologe.de
www.kinderpsychiater.org

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