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Pressemeldung - Spitzenverband ZNS fordert gerechte Bezahlung von Psychotherapie

(23. September 2014) Psychiatrische Gesprächsleistungen und die ambulante ärztliche Psychotherapie werden zu schlecht bezahlt. Das kritisiert der Spitzenverband ZNS (SPiZ) anlässlich eines Aktionstages am 25. September 2014. „Psychiater und psychotherapeutisch tätige Ärzte verdienen deutlich weniger als alle anderen Arztgruppen. Ihre Praxen erwirtschaften – bei gleichem Arbeitseinsatz – einen viel geringeren Ertrag als technik-intensive Praxen”, erläutert der Vorsitzende des Spitzenverband ZNS (SpiZ) Dr. Frank Bergmann. Außerdem seien die Honorare für Psychotherapie in den vergangenen fünf Jahren nur um insgesamt zwei Prozent gestiegen – was angesichts der Geldentwertung einem realen Einkommensverlust entspreche.

Aktionstag
Am 25. September protestieren Psychiater und Psychotherapeuten in Berlin im Rahmen eines Aktionstages gegen die Unterbezahlung der Psychotherapie. Das soll Politik und Öffentlichkeit

auf die anhaltende Benachteiligung der sprechenden Medizin aufmerksam machen. „Der SPiZ fordert schon lange eine bessere Vergütung von psychiatrischen Gesprächsleistungen und ambulanter Psychotherapie. Da sich hier wenig tut, müssen wir unsere Forderung nun öffentlichkeitswirksam vortragen”, so die Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP) Dr. Christa Roth-Sackenheim.
Der SPiZ fordert den Gesetzgeber auf, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Krankenkassen zu einer angemessenen Vergütung von Gesprächsleistungen zu verpflichten. „Wir brauchen eine Mindestvergütung, die es Psychiatern und Nervenärzten beziehungsweise Psychotherapeuten ermöglicht, mit ihren Leistungen ein Einkommen zu erzielen, das dem der anderen Fachgruppen entspricht“, so Bergmann.

Beispiel Suizidalität
Der SPiZ betont, dass die Psychotherapie, und zwar von Erwachsenen wie auch von Kindern und Jugendlichenein unabdingbares Standbein für die Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen ist. Für die Patienten kann sie lebensrettend sein. Zum Beispiel nehmen sich in Deutschland jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen das Leben (1). Suizidalität und Depressionen hängen sehr eng zusammen: Neun von zehn Menschen, die Selbstmord verüben, leiden an einer psychiatrischen Erkrankung, am häufigsten ist dies eine Depression (2). Bergmann betont, die beste Möglichkeit, Suizide zu verhindern, sei, Menschen mit Depression schnell und gut zu betreuen. „Depressionen sind gut behandelbar, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Oft gehört zu einer solchen Behandlung auch die Psychotherapie, in jedem Fall aber Gespräche mit dem behandelnden Psychiater oder Nervenarzt.”

Psychische Erkrankungen sind häufig und stark belastend
Psychische Krankheiten gehören zu den am stärksten belastenden Erkrankungen im Gesundheitswesen, bringen erhebliche volkswirtschaftliche Folgekosten mit sich und sind sehr häufig (3). Weltweit leidet etwa jeder Zehnte unter Depressionen und Angststörungen (3). Allerdings gibt es bereits jetzt eine Unterversorgung in diesem Bereich (4). „Die Entwicklung ist alarmierend: Für Menschen mit psychischen Erkrankungen wird es in Deutschland immer schwieriger, die ihnen zustehende medizinische Behandlung inklusive Psychotherapie zu erhalten. Sie müssen oftmals mehr als drei Monate auf einen Facharzttermin oder Psychotherapieplatz warten”, erläutert Bergmann. Diese Unterversorgung werde sich verschärfen, wenn der ärztliche Nachwuchs wegbreche, weil die notwendigen Gesprächsleistungen zu schlecht bezahlt würden.

Missstand seit Jahren
Der Missstand besteht schon länger: Das Bundessozialgericht hat in mehreren Urteilen seit 1999 ein Mindesthonorar für psychotherapeutische Gespräche vorgeschrieben. Allerdings lagen die von KBV und Krankenkassen errechneten Vergütungen trotzdem jeweils weit unter dem rechtlich und gesetzlich gebotenen Mindestmaß. „Seit nunmehr fünf Jahren versäumt der Bewertungsausschuss von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung die Anpassung der Honorare entsprechend den Urteilen des Bundessozialgerichts“, kritisiert Roth-Sackenheim. Zum 1. Juli 2014 hätte nach jahrelanger Verzögerung ein entsprechender Beschluss endlich gefasst werden sollen. Dies ist erneut nicht geschehen. Bergmann: „So kann das nicht funktionieren. Kein Psychiater, Nervenarzt oder Psychotherapeut kann auf Dauer ohne ausreichende Vergütung Patienten behandeln.”


Quellen:
1. Gesundheitsberichterstattung des Bundes Bonn 2013
2. Angaben laut Deutsches Bündnis gegen Depression: http://www.buendnis-depression.de/depression/suizidalitaet.php
3. Layard R, Chisholm D, Patel V, Saxena S: Mental Illness and Unhappiness. SOEPpapers 600. 2013
4. Wittchen HU, Jacobi F, Rehm J et al.: The size and burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010. Eur Neuropsychopharmacol 21(9):655-679. 2011.

www.bvdn.de
www.bv-psychiater.de

Pressekontakt: Jochen Lamp, Tel 0172 4576407

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