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Pressemeldung – Ärzte brauchen mehr Zeit für Beratung

(10. April 2014) Begleitsymptome neurologischer und psychiatrischer Patienten werden häufig unterschätzt. Ein Beispiel dafür ist die Fatigue, also eine besondere Erschöpfbarkeit, die im Zusammenhang mit verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen auftreten kann. Die Fatigue war deswegen Hauptthema des diesjährigen Neurologen- und Psychiatertages (NUP-Tag) am 5. April in Köln.
Die Fatigue ist ein anhaltendes Erschöpfungsgefühl mit Tagesmüdigkeit, das sich durch Ruhe- und Erholung nur unwesentlich bessert. Charakteristisch ist, dass die Patienten bereits nach geringfügigen Anstrengungen unverhältnismäßig erschöpft sind.

Fatigue bei Multipler Sklerose (MS)
Für 60 Prozent der MS-Patienten ist die Fatigue das am stärksten belastende Symptom. Häufig sehen sich Betroffene gezwungen, ihr Arbeitspensum zu reduzieren oder ihre Beschäftigung gar komplett aufzugeben. Nicht selten resultieren hieraus sozialer Rückzug und depressive Episoden. Das berichtete die Neurowissenschaftlerin Dr. Iris-Katharina Penner von der Universität Basel.

„Die Fatigue ist gerade im Berufsleben oft ein großes Problem. Die Patienten fragen sich, wie sie mit ihrer verminderten Belastbarkeit, möglichen Defiziten bei der Konzentration und der Müdigkeit zurechtkommen sollen“, erläutert der Vorsitzende der Berufsverbandes Deutscher Neurologen, Dr. Uwe Meier. Eine zentrale Rolle für MS-Patienten spiele oft die Frage, ob sie dem Arbeitgeber die Erkrankung und deren Einschränkungen erklären sollen. Dies seien enorm zeitintensive Fragen, bei denen die Patienten sehr viel Unterstützung benötigten. In der ambulanten fachärztlichen Betreuung fehle aber oft die Zeit für diese intensive neuropsychologische und psychologische Betreuung.

Regionale Versorgungsstrukturen gefordert
Die Betreuung von neurologischen und psychiatrischen Patienten, die an Fatigue leiden, sollte laut dem Vorsitzenden des Spitzenverbandes ZNS (SPiZ), Dr. Frank Bergmann, fachärztlich-ambulant und wohnortnah stattfinden. Der SPiZ fordert deshalb neue regionale Versorgungsstrukturen mit mehr Zeit für Gespräche und damit Zuwendung für den Patienten. Darüber hinaus fordert der SpiZ:

1) Etablieren eines eigenständigen Versorgungsbereiches zur neurologischen und psychiatrischen Versorgung
2) Bessere Vernetzung und Verzahnung der bestehenden stationären und teilstationären rehabilitativen und ambulanten Angebote
3) Hohe Priorität für Prävention, insbesondere auch im beruflichen Umfeld
4) Eine konzertierte Aktion der an der Patientenversorgung beteiligten Organisationen und den Trägern politischer Entscheidungsprozesse.

Gemeinsames Handeln von Neurologen, Psychiatern und Kinder- und Jugendlichenpsychiatern sei zur Durchsetzung dieser Forderungen notwendig, betont Bergmann.

 

Pressekontakt: Jochen Lamp, Tel 0172 4576407

 

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