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Pressemeldung - Mitteldeutsche Psychiatrietage: Integrierte Versorgung, neues Entgeltsystem und Weiterbildung im Mittelpunkt

(12. September 2013) Neues Entgeltsystem, Integrierte Versorgung aber auch, wie aus Medizinstudierenden Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie werden: Die Mitteldeutschen Psychiatrietage in Jena stellen am 13. und 14. September neben Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte wichtige Rahmenbedingungen des Faches in den Mittelpunkt.

In großer Sorge sind die in Kliniken tätigen Psychiater in Deutschland wegen des neuen Entgeldsystems für stationäre Leistungen. „Wir befürchten, dass die Qualität der Versorgung stark leiden wird, unter anderem, weil das neue System komplexe längerfristige Behandlungen nicht ermöglicht“, erläutert Prof. Dr. Heinrich Sauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena und Tagungspräsident der Mitteldeutschen Psychiatrietage. Die Psychiater erwarteten daher gespannt neue Entwicklungen beim Psych-Entgeltsystem in der Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP). Im Augenblick zeige der mittels Ersatzvornahme durch den Bundesminister für Gesundheit in Kraft gesetzte PEPP-Katalog so ausgeprägte systematische Mängel, dass eine schrittweise Anpassung im Sinne eines lernenden Systems nicht ausreiche. Nötig sei vielmehr eine fundamentaler Anpassungen der Kalkulationssystematik.
(Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik – derzeitiger Stand, Dr. Iris Hauth, Präsidentin elect der DGPPN und Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee).

„In der kommenden Weiterbildung zum Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie sollen der Einfluss der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen verringert und gemeinsame übergreifende Inhalte stärker gewichtet werden“, so Tagungspräsident Sauer. Dies ist ein Konzept der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Wie die Weiterbildung in der Psychiatrie/Psychotherapie künftig gestaltet werden könnte, sei daher ein wichtiger Programmpunkt der Tage.
(„Der Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie – eine neue Konzeption“, Prof. Dr. Sabine Herpertz, Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg).

Das Problem der zum Teil langen Wartezeiten für Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen im ambulanten Bereich thematisiert der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN), Dr. Frank Bergmann, in seinem Beitrag. „Wartezeiten von Wochen oder sogar Monaten für Patienten mit akuten psychischen Erkrankungen, wie wir sie in einigen Regionen sehen, sind grundsätzlich nicht hinnehmbar“, so Bergmann. Der BVDN fordere daher eine bessere Vernetzung und bessere Koordination aller Akteure vor Ort. „Wir müssen Versorgung viel stärker regional organisieren: Die Frage lautet, welche Angebote gibt es bei uns? – Hausärzte, Fachärzte, Psychotherapeuten, Kliniken und Klinikambulanzen – das ist das Netz, das den Patienten abgestimmt und effektiv betreuen kann“, betont Bergmann. Ziel dabei müsse sein, denjenigen, die akut Hilfe benötigten, schneller und effizienter zu helfen.

Eine solche Zusammenarbeit über die Sektorengrenzen hinweg sei regional zum Beispiel im Rahmen von Integrierten Versorgungsverträgen denkbar. „Es ist jetzt an der Zeit, die Erfahrungen aus den Einzelvorhaben zu nutzen und flächendeckend regional abgestimmte Behandlungspfade aufzubauen“, sagte Bergmann. Allerdings müssten die Krankenkassen sie auch angemessen finanzieren. „Diese notwendigen Strukturen sind mit dem augenblicklichen Vergütungsmodell nicht machbar“, betonte der BVDN-Vorsitzende.   
(Symposium „Ambulante psychiatrische Versorgung aus vertragsärztlicher Perspektive“, Vorsitz Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des BVDN, Aachen).
 

Mitteldeutsche Psychiatrietage
1997 haben die Leiter der Psychiatrischen Universitätskliniken in Halle, Dresden, Jena, Leipzig und Magdeburg die Mitteldeutschen Psychiatrietage in ihrer jetzigen Form ins Leben gerufen. Sie finden alle zwei Jahre an den Orten der jeweiligen Kliniken statt – 2013 auf dem Campus der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Carl-Zeiss-Straße 3, Ernst-Abbe-Platz, 07743 Jena.
Weitere Informationen unter http://www.mdp-kongress.de/


Pressekontakt:
Jochen Lamp
Tel.: 0172 457640

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