Newsletter – Corona

Versorgung sicherstellen, Patienten schützen und Existenz sichern:

WICHTIGE INFORMATIONEN FÜR DIE VERTRAGSÄRZTE WÄHREND DER CORONAKRISE

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Das Land ist in einer Ausnahmesituation. Dies betrifft auch die Versorgung unserer Patienten und die Situation unserer Praxen. Selbst wenn sich die Zahl der Neuinfektionen irgendwann rückläufig entwickelt, wird sich vieles im Land auch nachhaltig verändern. Es wichtig, dass wir JETZT bereits richtig handeln: rational und besonnen, mit Mitgefühl und mit medizinischem Ethos und sektorübergreifend solidarisch.

Das Gebot der Stunde heißt daher: wir müssen die Versorgung unserer Patienten sicherstellen, gleichzeitig mögliche Infektionsketten unterbinden und die Existenz unserer Praxen sichern. Es ist völlig klar, dass wir mit dem Einsatz unserer gesamten Kräfte für unsere PatientInnen zur Verfügung stehen. Das sind wir nicht nur unseren Patienten und unseren medizinisch-ethischen Überzeugungen schuldig. Es ist auch selbstverständlicher Teil unseres Versorgungsauftrages und die Pflicht eines jeden Bürgers im Kontext einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, alles zu tun, was er selbst zur Überwindung der Krise beitragen kann.

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle wichtige Informationen zur Verfügung stellen und Sie zu solidarischem Handeln motivieren.

1. Patienten behandeln UND vor Ansteckung schützen

Patientenversorgung sicherzustellen heißt, dass wir unsere Patienten selbstverständlich weiter mit ganzem Einsatz weiterbehandeln ohne sie selbst und andere Mitbürger zu gefährden. Dazu müssen wir unsere Praxisabläufe grundlegend umstellen:

Hygienestandards erweitern:

Neben den bekannten allgemeinen Hygienemaßnahmen wie sie etwa das RKI empfiehlt sollten Sicherheitsabstände im Rezeptionsbereich und in den Sprechstunden eingehalten und am Boden gekennzeichnet werden. Im Rezeptionsbereich können zudem Plexiglasschirme aufgestellt werden.

Physische Patientenkontakte reduzieren:

Mit geplanten Patienten kann im Vorfeld telefonisch geklärt werden, ob ein physikalischer Arzt-Patienten-Kontakt dringend erforderlich ist oder ob dies am Telefon oder telemedizinisch per Videosprechstunde geklärt werden kann. Damit reduzieren wir den Patientenverkehr und das Patientenaufkommen in der Praxis. Gleichzeitig halten wir in den Praxisräumen Kapazitäten für Patienten frei, die dringend klinisch oder apparativ untersucht werden müssen, Laborkontrollen oder Infusionen benötigen.

Rezeptionsbereich umorganisieren:

Rezepte und Bescheinigungen können nach telefonischer Rücksprache im Vorfeld im Rezeptionsbereich oder vor oder Praxis von Mitarbeitern übergeben werden, AU-Bescheinigungen nur über einen Arzt. Der Einlass sollte, wenn irgendwie möglich, kontrolliert und gesteuert werden. Patienten, die weitergehende Untersuchungen, Blutabnahmen oder Infusionen benötigen, sollten umgehend versorgt werden, um Wartezeiten und Ansammlungen von Patienten im Wartebereich zu verhindern.

Getrennt arbeitende Teams bilden:

Wenn Sie in einer größeren Praxis arbeiten, denken Sie über das Arbeiten mit getrennten Teams nach (Half Split), d.h. Ärzte und Mitarbeiter wechseln sich in physikalisch komplett separierten Teams ab, so dass im Falle einer Kontamination der Praxisbetrieb durch das nicht betroffene Team aufrecht erhalten werden kann.

Telefon- und Videosprechstunden etablieren:

Sofern Sie es noch nicht getan haben, etablieren Sie in Ihren Praxen eine zertifizierte Software für Videokonferenzen. Die KBV hat die Limitierungen inzwischen aufgehoben. Während der Krise können Patienten unbegrenzt über Videosprechstunden versorgt werden. Mit Videokonsultationen können wir auch einen großen Teil unserer Heimpatienten erreichen.

https://www.kbv.de/html/1150_44943.php

https://www.kbv.de/media/sp/Videosprechstunde__uebersicht_Verguetung.pdf

Wir haben mit Nachdruck politisch gefordert, dass Telefonsprechstunden den Videosprechstunden gleichgestellt werden, so dass auch unsere älteren Patienten zu Hause erreicht und versorgt werden können, die nicht interneterfahren sind bzw. über kein Smartphone verfügen. In einigen Bundesländern ist dies bereits geregelt. Es ist aber wichtig, dass dies im breiten Konsens auch von der Bundesebene und den Krankenkassen getragen wird. Es kann in Zeiten der Coronakrise nicht sein, dass unsere älteren und gefährdeten Patienten aus formalen Gründen in unsere Praxen gezwungen werden.

2. Versorgungsketten und Kliniken entlasten

Im ambulanten Sektor werden in Deutschland jährlich über 550 Millionen Patienten von über 170.000 niedergelassene Ärzte in über 100.000 Praxen behandelt. Dabei kommt es zu über einer Milliarde Betreuungskontakten. Eine Verschiebung von Patientenströmen in die Kliniken und Notfallambulanzen belastet den Krankenhaussektor zusätzlich. Dies dürfen wir nicht zulassen. Vielmehr gilt es aktuell diese Behandlungen wie oben dargestellt über Telefon- und Videokontakte zu priorisieren und zu flexibilisieren.

So können wir uns zum Beispiel bei einem MS-Patienten am Telefon bzw. Video oft schon ein gutes Bild machen, ob etwa ein MS-Patient einen Schub oder einen Pseudoschub hat. Es ist möglich, Fragen zu einer möglichen erhöhten Gefährdung im Rahmen der Immuntherapie, zu Impfungen oder Anpassungen von Medikamenten telemedizinisch zu beantworten. Nur die Patienten mit unklaren Situationen oder z.B. notwendigen Infusionen müssen in die Praxis bestellt werden. Mit diesem Vorgehen sind wir auch in der Krise handlungsfähig. Ohne Reduktion der physikalischen Patientenkontakte stellen wir mit unseren i.d.R. maßlos überfüllten Praxen eine erhöhte Infektionsgefahr dar. Keinesfalls darf diese Reduktion zu Lasten unserer klinischen Kollegen oder anderen niedergelassenen Kollegen gehen. Schieben Sie keine Patienten in andere Sektoren oder in andere Praxen. Übernehmen Sie selbst Verantwortung! Hier ist unbedingt kluges Handeln und Solidarität gefragt.

Deutschland verfügt über ein sehr gutes Gesundheitssystem. Die hochspezialisierte ambulante fachärztliche Versorgung stellt im internationalen Vergleich auch im Bezug auf die Ausbreitung des Corona-Virus einen unschätzbaren Vorteil dar. Durch die kleinteilige dezentrale Versorgung der meisten Patienten werden Ansammlungen von Menschen in Ambulanzen vermieden. Diese Stärke, die Patienten aus kleinen Versorgungseinheiten noch sicherer unter Nutzung der zur Verfügung stehender moderner Medien zu erreichen und zu versorgen, müssen wir jetzt unbedingt nutzen.
Ausdrücklich weisen wir darauf hin, dass diese Solidarität unseren in der Klinik tätigen Kollegen gilt und nicht den großen Klinikkonzernen. Gerade in Krisenzeiten ist der Schulterschluss aller Ärzte wichtig. Wir erleben derzeit leider aktuell noch deutlicher, dass das äußerst leistungsfähige Gesundheitssystem vor allem über Personalmangel an seine Grenze kommt.

Das ist nicht zuletzt Ausdruck einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung, die durch Ökonomisierung und Industrialisierung des Gesundheitswesens geprägt ist und auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wurde. Nach der akuten Krise werden hier Korrekturen erforderlich sein, die uns vor künftigen Krisen schützen. An der Umgestaltung des Gesundheitssystem werden sich die Verbände aktiv beteiligen.

3. Wirtschaftliche Existenzen unserer Praxen sichern

Wir können die Versorgung unserer Patienten nur sicherstellen, wenn unsere wirtschaftliche Existenz gesichert ist. Mieten, Gehälter und alle anderen Kosten fallen weiter an, auch wenn der eine oder andere Praxisbetrieb reduziert ist. Die Aufrechterhaltung der Versorgung unter den oben genannten veränderten Bedingungen ist nicht nur ein Akt der Übernahme von Verantwortung und der gesellschaftlichen Solidarität, sie sichert auch unsere Existenz. Verlassen Sie sich nicht auf Kurzarbeitergeld und Rettungsschirme, sondern schauen Sie, wo Sie etwas tun können. Die Berufsverbände kümmern sich, dass dies auch honorartechnisch gewürdigt wird. Aber wir brauchen dazu Ihren Beitrag. Andernfalls können wir weder in der Selbstverwaltung noch in der Politik Unterstützung beanspruchen. Es liegt jetzt an uns.

Mit kollegialen Grüßen

Dr. Uwe Meier
Vorsitzender BDN 
Dr. Sabine Köhler
Vorsitzende BVDN
Dr. Klaus Gehring
Vorsitzende BVDN
Dr. Christa Roth-Sackenheim
Vorsitzende BVDP

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