Leitlinien

Und jetzt auch noch so viele Leitlinien?

Dr. Christian RaidaEs sind nicht nur einzelne Stimmen, die die Entwicklung der Medizin der letzten Jahre mit Verärgerung und Verunsicherung wahrnehmen: Einerseits werde der ärztliche Alltag durch „unnütze Dinge“ (Bürokratisierung, Juridifizierung) enorm belastet, dann werde erbrachte Leistung immer schlechter vergütet und reglementiert, ferner die überkommenen Versorgungs- und Vergütungsstrukturen im Sauseschritt novelliert, schließlich das ärztliche Tun selbst vereinheitlicht und dem Druck von Qualitätsstandards und Leitlinien unterworfen, quasi als verlängerte Arm der Politik und der Finanzkrise der Gesundheitswesens. Viele Kollegen – und gerade die Niedergelassenen - haben die Lust am Arztsein verloren – nachvollziehbar.

Es mag daher nicht leicht fallen, in den derzeitigen Entwicklungen Potential und positive Seiten zu erkennen. Am einfachsten gelingt dies wahrscheinlich im Bereich von Qualitätsmanagement und Leitlinien. Zwar war die Medizin schon immer darauf aus, ihr Handeln wissenschaftlich zu begründen und damit ihren Berufsstand zu legitimieren und abzugrenzen, noch nie war dieser Begründungsstandard jedoch so hoch entwickelt. Weder Schulbildung noch Expertenmeinung haben noch einen zentralen Platz in der heutigen Evidenz-Based-Medizin, die geprägt ist von den Möglichkeiten der computerisierten Vernetzung und Datenverarbeitung sowie dem Anwachsen methodisch-statistischen Standards. Auch wenn Strukturreformen und Finanzkrisen den Legitimationsdruck des Handlungswissens deutlich forcieren (da nur noch bezahlt wird, was als effizient bewiesen ist), so besteht hierin auch die Chance einer besseren Patientenversorgung – allerdings nur dann wenn das On-Top-Potential nicht allein der Verschlankung der Kosten anheim fällt, worauf zu achten sicherlich vor allen anderen unsere Aufgabe als Arzt ist. Eine Leitlinie ist ein „Vademecum“ von heute – nicht in jedem Fall besser, aber in jedem Fall besser begründet. Die für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie relevanten LL werden im Folgenden aufgelistet. Da viele Stellen sich befugt sehen, Leitlinien aufzustellen, gibt es durchaus verschiedene Konzeptionen für ein und dasselbe Krankheitsbild. Inhaltlich präferiert werden hier die der Fachgesellschaften, insbesondere der DGPPN; gängige andere Entwürfe werden aber auch berücksichtigt. Zu beachten ist natürlich, dass fast alle LL sich in einem mehr oder minder fortgeschrittenen Konzeptionsstadium befinden.

Dr. Christian Raida Mitglied des Vorstandes des BVDP


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Das Dokument bietet einen Überblick über die für Psychiater und Psychotherapeuten wichtigen Leitlinien und deren Anbieter

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